Presseveröffentlichungen zum Bären-Buch

Berliner Kurier vom 21.10.00

Von Susanne Kröck

BERLIN - Das ist das Buch für alle echten Bärliner ! "Der Berliner Bär" heißt der Bären-Band von Bärnd, pardon, Bernd Unger (65). "Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart" nennt der Marzahner seine Pirsch auf Berlins Wappentier.
Auf Briefmarken oder als Brunnen, im Logo der Polizei oder auf der Landesflagge: In Berlin ist der Bär los. Und zwar schon seit720 Jahren! "Wie Berlin auf den Bären gekommen ist", erfährt man im ersten von sieben Kapiteln. Der Bär und Berlin, Berlin und der Bär - das zeigen die vielen oft farbigen Fotos von Fahnen, Skulpturen oder Reklamebildchen wie das vom Zigarette rauchenden "Juno"-Bären. Und dann sind da natürlich noch Tilo, Maxi und Schnute, die amtierenden Stadtbären im Zwinger am Köllnischen Park. Nächsten Sonnabend wird Berlin 763 Bahre alt. Ungers bärenstarkes Buch ist gerade rechtzeitig fertig geworden.
Das Buch (Waxmann-Verlag) kostet 29,80 Mark.

Berliner Zeitung vom 26.10.00

von Iris Brennberger
Jetzt stehen endlich alle in Reih und Glied: 10000 gelbe, grüne, rote und blaue Plastik-Bären bevölkern seit Mittwochabend den Mittelstreifen Unter den Linden. Zwei Wochen lang schraubten die 15 Mitarbeiter des Frankfurter Kunst-Professors Ottmar Hörl die bunten Plastikfiguren auf ihre Halterungen, dann stand euch der letzte 40-Zentimeter große Plastik-Bär an seinem Platz. Dabei ist die leuchtend bunte Armee der Plastik-Tiere nur die Vorhut. Als nächstes folgen lebensgroße Kunst-Plastik-Bären. Die ersten kunterbunten Exemplare waren diese Woche im Atelier "Schau-Raum" zu besichtigen, im Frühling sollen einhundert bis zweihundert von ihnen zur "Bären-Parade" antreten. Weitere Ereignisse im Zeichen der Tatze: Der Verein Berliner Bärenfreunde feiert am Sonnabend den 763. Stadtgeburtstag im Bärenzwinger im Köllnischen Park. Dazu stellt er sein Buch "Der Berliner Bär - ein Streifzug durch die Geschichte und Gegenwart" vor. Außerdem zeigen bei der "Teddy Bärlinale" am Sonntag im Ausstellungsforum in Mitte rund 100 Aussteller alle Plüsch-, Kuschel- und Schmusebären, die man für Geld erwerben kann.

Parade nach New-Yorker Vorbild


Warum ausgerechnet jetzt Bären in Berlin Saison haben, wissen die Künstler. Unternehmer und Tierfreunde auch nicht so recht. Aber dass die Berliner den Bären auch nach gut 700 Jahren Wappengeschichte lieben, hat Ottmar Hörl bereits beim Aufbau seiner Installation bemerkt: "Die Reaktionen der Leute sind ein Wahnsinn", sagt der Frankfurter. Viele wollten die Plastiktiere sofort kaufen und mitnehmen. Er selbst sei kein Bärenfan, sagt der Spezialist für Kunst im öffentlichen Raum: "Wäre das Berliner Wappentier ein Falke, stünden da jetzt eben 10 000 Falken." So aber hat er Bären fertigen lassen. Wobei im Vergleich zum Wappentier eine Kleinigkeit verändert wurde: Die Bären haben eine Menschenhand und einen menschlichen Fuß, als Zeichen, "dass sich Berlin und die Bundesrepublik verändert haben, menschlicher geworden sind", wie Hörl sagt. Berliner und Touristen, die einen Plastik-Bären am liebsten gleich mitnehmen würden, vertröstet er: Ab 11. November werden die Tierfiguren für 50 Mark pro Stück verkauft.

Verglichen mit den großen Parade-Bären ist das ein Schnäppchen. Denn die kosten mindestens 4900 Mark. Dafür sind die 7,70 Meter großen Bärenfiguren, die zurzeit im Atelier "SchauRaum' in Schöneberg entstehen auch Individualisten: Jede Plastik ist von Künstlerhand gestaltet, mal als "Pop-Art-Bär" mit Herzen, mal als bunt besprühter "Graffiti-Bär". Nach dem Vorbild der Tierparade in Saarbrücken, Zürich und New York, wo in den vergangenen zwei Jahren lebensgroße Löwen und Kühe das Stadtbild bevölkerten, sollen die Kunst-Bären im Frühling zu einer Parade in Berlin aufgestellt werden. Wie Kade Müller einer der Organisatoren von der Veranstaltungsagentur Id.0l, sagt, sollen in den nächsten Monaten bis zu zweihundert Tiere entstehen. Sie werden an Filmen, Organisationen und Kunstliebhaber verkauft. Jeder Käufer verpflichtet sich, sein Tier später öffentlich zu zeigen. Dass die Pläne für die Parade mit der Bären-Aktion von Ottrnar Hörl zusammenfallen, ist für Müller Zufall: "Das hat mit unserem Projekt nichts zu tun." Id.0l gehe es nicht so sehr um einen Aufmarsch noch ist nicht sicher, ob die Tiere alle an einem Ort oder an verschiedenen Plätzen in der Stadt verteilt aufgestellt werden. Miiller möchte vielmehr eine Auseinandersetzung mit dem Symbol "Berliner Bär" anregen. "Wir wollen einen zeitgenössischen Bären, einen, der die Kunstszene der Stadt und die verschiedenen Kulturen repräsentiert." Mit dem alten "Zottelbären' könnten sich moderne Berliner immer weniger identifizieren "Die Zunge hängt ihm raus und er hat die Arme erhoben, als wollte er auf jemanden losgehen oder ihn sofort umarmen - das ist nicht unser Geschmack."

Fürs Erste hat Id.0l acht Künstler zur Bärengestaltung geladen. Jeder Künstler bekam einen grauen Plastikrohling - einen freundlich lächelnden Bären mit gesenkten Armen. Der erste fertige Parade-Bär war diese Woche im "SchauRaum" zu sehen. Sebastien Lezin, ein 25 Jahre alter Künstler aus Kreuzberg, stellte seinen "Graffiti-Bären" vor: mit gelbem, grünem und orangem Autolack besprüht und netten Blümchen im Gesicht. Auch die anderen drei fast fertigen Bären erwiesen sich als freundliche Gesellen: Der "Pop-Art-Bär" von Jürgen Feneberg ist mit Herzen und Fischen verziert, auf Andrea Streits "Großstadtbären" tummeln sich spielende Kinder, und der "Afro-Berlin-Bär" von Abdoulaye Guisse trägt rot-gelbe Tupfer auf dem Fell. "Berlin ist fröhlich, der Bär ist es auch", sagt Guisse, ein Künstler aus Senegal, der seit 15 Jahren in der Stadt lebt.


Selbst ist der Bären-Künstler

Finden sich genug Käufer für die Bären, will Kade Müller noch weitere Künstler für das Projekt gewinnen. Interessenten, die ihre eigene Version des Berliner Bären verwirklichen möchten, erhalten für 2700 Mark einen Rohling. Allerdings gilt auch für die Heimwerker-Bären, dass "sie nicht im Wohnzimmer verschwinden sollen", sagt Müller. Bei der Parade herrscht Anwesenheitspflicht.

Wer Anregungen Für seinen Kunstbären sucht, kann im eben erschienenen Buch "Der Berliner Bär" nachschauen. Bernd Unger, Vorsitzender des Vereins der Berliner Bärenfreunde, hat die nach Verlagsangaben "bisher einzigartige Dokumentation des allgegenwärtigen Wappentiers" vorgelegt. Auf hundert Seiten erzählt er die Geschichte von "Bärlin ", vom ersten Auftauchen des Wappentiers im Jahr 1280 bis heute. Es geht um den Bären in der Wirtschaft" und um "Bärenkunst". Zahlreiche Fotos von Skulpturen und Bildern belegen, dass der Berliner Bär schon mehrmals auf modern getrimmt wurde. Außerdem stellt Unger "Tilo", "Schnute" und "Maxi" vor, die drei Stadtbären im Zwinger im Köllnischen Park. Bei ihnen feiert der Verein am kommenden Sonnabend auch den Stadtgeburtstag. Um 12.30 Uhr können Kinder und Eltern die echten Raubtiere bei der Fütterung bewundern - voraussichtlich gibt es eine Bären-Torte.

Einen Tag später, am Sonntag, sind statt echter Vierbeiner dann Plüschtiere angesagt. Bei der "Teddy-Bärlinale" zeigen 100 Aussteller die neuesten Kuschelbären. In der "Bärenklinik" werden lädierte Schmusestücke repariert und in der Schätzstelle alte Bären taxiert. Es gibt eine Lesung aus "Pu der Bär" und eine kleine Sonderausstellung mit Teddyklassikern aus den 20er- und 30er- Jahren.


Berliner Morgenpost vom 30.10.00

Geschichte des Berliner Bären

brun Mitte - Sein Leben zählt nicht nach Jahrzehnten, sondern nach Jahrhunderten: Der Bär erschien im Jahr 1280 zum ersten Mal auf einem Berliner Stadtsiegel. Inzwischen ist das Wappentier 720 Jahre alt. Grund genug für den Autor Bernd Unger, das Buch "Der Berliner Bär. Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart" (für 29,80 Mark im Buchhandel) zu schreiben.

Der Band enthält 109 Abbildungen, darunter Fotos der drei ältesten Berliner Originalsiegel. Unger hatte denkbar gute Voraussetzungen: Er ist Vorsitzender des Vereins "Berliner Bärenfreunde" und konnte für seine Recherchen den Vereinsfundus nutzen. Doch Unger hat auch Dokumente aus Berliner Bibliotheken, Archiven und Privatsammlungen berücksichtigt.

Der Verein Berliner Bärenfreunde wurde im Jahr 1994 gegründet. Seine Mitglieder erforschen seitdem die Geschichte des Wappentiers. Im Fundus liegen 3000 Belege für das Erscheinen des Bären in Berlin.


Neues Deutschland vom 31.10.00


Berlin und seine Tatzen

(ND) Wer oder was war eigentlich zuerst da? Der Bär oder Berlin? Darüber streiten sich die Experten, und auch das bei Waxmann erschienene empfehlenswerte Buch "Der Berliner Bär" von Bernd D. W. Unger (104S.; 29,80 DM) klärt das nicht auf.

Der Vorsitzende des Vereins Berliner Bärenfreunde hat umfangreich über das Wappentier recherchiert, dem man überall in der Stadt in den unterschiedlichsten Variationen begegnen kann. So finden sich im Buch nicht nur gut erzählte Geschichten, sondern auch viele Darstellungen und Fotos, auch von den heute im Köllnischen Park lebenden Wappentieren. Das Buch ist interessant für Berliner und für alle, die sich für die Geschichte der Stadt begeistern können.


Bild vom 31.10.00


109 Bilder vom Berliner Bär

Sein Leben zählt nicht nach Jahrzehnten, sondern nach Jahrhunderten: Der Bär, unser Wappentier, ist schon 720 Jahre alt. Grund genug für Bernd Unger vom Verein "Berliner Bärenfreunde" das Buch "Der Berliner Bär. Ein Streifzug durch die Geschichte und Gegenwart" zu schreiben. Im Band (neu im Handel für 29,80 Mark) findet man 109 Abbildungen, darunter drei der ältesten Berliner Original-Siegel.


Die Welt vom 1.11.00


Berlin ist nicht Bärlin: Wissenswertes und Neues zum 763. Geburtstag der Stadt

Von Dürk Müller
Die deutsche Aussprache verwischt den Unterschied, und Bärenfreunde mag es enttäuschen - doch Berlin ist nicht Bärlin. Historiker sind sich ziemlich sicher, dass der Name der Hauptstadt ursprünglich nichts mit den starken Zotteltieren zu tun hat.

Zwar tapsten zur Gründungszeit der Städte Berlin und Cölln sicher noch viele Braunbären durch die dichten Wälder an der Spree und brummten, bis noch dem stolzesten Platzhirschen das Röhren im Halse stecken blieb. Aber Pate für den Namen des Marktfleckens, der am Samstag - ein wenig größer geworden - seinen 763. Geburtstag feiern darf, standen die Petze nicht. Die Gegend, an der Berlin entstand, soll zunächst "der Berlin" geheißen haben, was vermutlich eine alte slawische Bezeichnung für ein "sumpfiges, feuchtes Gelände" war. Mit anderen Worten: Berlin ist per definitionem ein einziger Sumpf.

Möglicherweise wollten die Berliner Stadtväter das nicht auf sich sitzen lassen und beschlossen einige Jahrzehnte nach der Gründung, dass fortan in der Stadt der Bär brummen müsse. Wahrscheinlicher ist, dass eine mächtige Lobby den Petz als Emblem durchsetzte: In Frage kommen diejenigen Vertreter der Wirtschaft, die ihr Geld damit verdienten, Bären das Fell über die Ohren zu ziehen. Belegt ist, dass im Jahr 1280 ein Ratsbeschluss der jungen Stadt Berlin zur Gilde der Kürschner gefasst wurde, und der dazugehörige Gildebrief wurde mit dem Stadtsiegel versehen. Auf dem Siegel sind zwei kräftige Bären abgebildet, die den Schild mit dem märkischen Adler halten.

Ob das Siegel bereits vorher verwendet wurde, ist nicht bekannt. Auf den erhaltenen älteren Urkunden sei es nicht zu finden, versichert Bernd Unger, Vorsitzender des Vereins der "Berliner Bärenfreunde", in seinem soeben erschienenen Band "Der Berliner Bär". Doch seit dem denkwürdigen Ratsbeschluss geht der Bär in Berlin stempeln: Pelzträger zierten ununterbrochen alle Stadtsiegel und später die Stadtwappen der märkischen Metropole. Berlin war auf den Bär gekommen, und der Bär aufs Wappen.

Allerdings musste der amtlich gewordene Petz lange Jahre hinnehmen, dass der kurfürstliche Adler auf seinem Rücken thronte. Später erschien der Bär ohne Adler, aber mit Halsband. Manche Historiker sahen darin ein Schmuckelement, andere deuteten es als Sinnbild der Abhängigkeit der Stadt von den märkischen Landesherren. Erst im Jahr 1875 beschloss der Berliner Magistrat, seinem Wappentier das Halsband abzunehmen.

Während der Industrialisierung entdeckten Berliner Unternehmen das Zotteltier als Werbeträger. In allen Formen und Größen grinst den Bewohnern der Hauptstadt seither der Bär entgegen: Knuddelig winkte er mit Geldscheinen für die Lotterie, anscheinend genüsslich qualmte der doch eigentlich für frische Waldluft geschaffene Pelzträger Zigaretten. Nach dem Zweiten Weltkrieg half er auf Notbriefmarken mit der Schaufel in der Tatze beim Wiederaufbau. Damals löste der Bär auch bei der Polizei den preußischen Adler ab. dpa

Online seit April 1999

Letztes Update: Februar 2011