Wie Berlin zu seinem Bären kam

Das älteste bekannte Siegel Berlins aus dem Jahre 1253 enthielt noch keinen Bären. An einer Urkunde der jungen Stadt Berlin vom 22. März 1280, dem Gildebrief für die Berliner Kürschner, befand sich ein Siegel mit der Abbildung des Bären. Das heißt, eigentlich sind gleich zwei aufrecht laufende, gepanzerte Bären rechts und links als Schildhalter eines Wappens mit einem Adler dargestellt. Es ist das älteste bekannte Siegel mit Bären, und seit dieser Zeit gehört der Bär bis heute ununterbrochen zum Hoheitszeichen unserer Stadt in der Form von Wappen, Siegeln, Fahnen etc.. Es trägt die Inschrift: "Sigillum burgensium de berlin sum", was bedeutet: "Ich bin das Siegel der Bürger von Berlin".

Der Gildebrief gehörte zum Bestand des Berliner Stadtarchivs und ist leider seit dem Ende des 2. Weltkrieges nicht mehr auffindbar.

Das älteste bekannte Berliner Siegel mit Bären von 1280
(Die jeweils links abgebildeten Nachzeichnung sind von Ernst Fidicin in "Der Bär", I.Jahrgang Nr 4 vom 15.4.1875.)

Das rechts abgebildete Originalsiegel gehört zu einer Urkunde aus dem Jahre 1381 und ist vermutlich das einzige, gut erhaltene, älteste Berliner Bärensiegel.

Es beweist, dass der Bär seit kurz nach der Gründung unserer Stadt, offiziell erfolgte diese nach der ersten urkundlichen Erwähnungen von Cölln im Jahre 1237, Symbol für Berlin ist.

Das dritte Berliner Siegel ist seit dem Jahre 1338 bekannt. Auf dem so genannten Sekretsiegel ist ein auf seinen vier Beinen laufender Bär dargestellt, eine mehr natürliche als heraldische Nachbildung. Über dem Bären schwebt ein Adler, was als Zeichen für die 1307 erfolgte Vereinigung von Berlin und Cölln ausgelegt wird. Die Inschrift des Siegels: "S(igillum) Sekretum Civitatis Berlin" verrät, dass es sich um ein Geheimsiegel handelte.

Das Berliner Siegel von 1338

Ab 1460 wurde ein neues Siegel verwendet. Es wurde allgemein als sichtbares äußeres Zeichen der Unterwerfung Berlins nach dem "Berliner Unwillen" von 1447/48 durch Friedrich II. Eisenzahn gewertet. Es wurde, gering verändert, noch um 1700 verwendet. Seine Inschrift lautet: "sigillum civitats antiqui berlin", "Das Siegel der Alten Stadt Berlin".

Das Siegel von 1460

Die hier abgebildeten Originalsiegel gehören zum wertvollen Bestand von Originalurkunden des Domstiftarchivs- und -bibliothek Brandenburg, die eine hervorragende Sammlung von Belegen aus der Frühgeschichte Berlins besitzt. Darunter befinden sich die Urkunden mit der Ersterwähnung Cöllns und Berlins aus dem Jahre 1237 und 1244.

Mit der Gründung des Königreiches Preußen im Jahre 1701 bekam auch Berlin im Jahre 1709 ein neues Stadtwappen. Hier stand der Bär symbolisch mit dem Halsband noch unter den Wappen mit dem schwarzen preußischen und dem roten märkischen Adler.

Auf einem Prunkbanner im Jahre 1839 befindet sich über dem Wappen mit dem Bären erstmals eine Mauerkrone.

Im Jahre 1875 fasste der Magistrat von Berlin den Beschluss, unseren Bären vom Halsband zu befreien. Von 1883 bis 1920 war ein kleines, von Adolf M.Hildebrandt entworfenes Wappen in Gebrauch.

Kleines Wappen von Adolf M.Hildebrandt

Als nach der Revolution von 1918 durch die Gründung der Weimarer Republik die Adler aus Preußen und der Mark Brandenburg ihre Bedeutung verloren hatten und 1920 Groß-Berlin gebildet wurde, war die Zeit für einen republikanischen Berliner Bären gekommen. Er entstand aber erst als Wappen im Jahre 1934 nach einem Entwurf von Sigmund von Weech. Er wurde bis zum Kriegsende und nach der Spaltung Deutschlands bis zur Wiedervereinigung in Berlin (Ost) als Berliner Stadtwappen geführt.

Berliner Bärenwappen nach einem Entwurf von Sigmund von Weech

Berlin (West) hatte 1954 einen eigenen Bären, nun mit einer Laubkrone auf dem Wappen, nach einem Entwurf des Heraldikers Ottfried Neubecker geschaffen, das nach 1990 Landeswappen für das wiedervereinigte Berlin wurde.

Landeswappen seit 1954

Der Bär hat sich schließlich in der über siebenhundertfünfzigjährigen Geschichte unserer Stadt gegenüber allen anderen heraldischen Machtsymbolen durchgesetzt. Unser Bär ist damit auch ein Ausdruck der Entwicklung der Freiheit und Unabhängigkeit Berlins, das den Status eines eigenständigen Bundeslandes der Bundesrepublik Deutschland besitzt. Warum gerade der Bär zu unserem Wappen wurde, konnte wissenschaftlich nicht ergründet werden. In der heraldischen Fachliteratur wird das Berliner Wappen als "redendes Wappen" bezeichnet, wobei darunter ein bildlicher Bezug des Namens zum Wappen verstanden wird. Gemeint ist hier eine Beziehung zwischen "Ber" und "Bär". Es war früher üblich, Wappen aus den Anfangssilben bzw. dem Inhalt von Stadtnamen abzuleiten. So kam zum Beispiel Strausberg zu einem Strauß, obwohl dieser Vogel ganz bestimmt nicht in der Gegend vorkam. Da hätte der Blumenstrauß näher gelegen. Aber die Heraldik bevorzugt nun einmal die Abbildung von Tieren. Ob tatsächlich der Bär ursprünglich zur Namensbildung Berlins beigetragen hat, ist umstritten.

Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen haben dazu ihre Hypothesen aufgestellt. Verbreitet ist die Auffassung, dass der Name Berlin lange vor der Ansiedlung der ersten Ureinwohner eine Flurbezeichnung gewesen sein sollte, die altpolabischen Ursprungs ist (siehe dazu das Handbuch der Stadt Berlin). Immer wieder wird auch der Bezug auf "Albrecht der Bär" erwähnt, obwohl dieser zu Lebzeiten als Albrecht von Ballenstedt bekannt war und seinen Beinamen erst nach der Gründung Berlins erhielt.

Leider vermisst man diesbezüglich in der Berlin-Literatur die interessanten Ausführungen des Naturforschers Dr. Theodor Zell, der in seinem Werk "Geheimpfade der Natur" davon ausgeht, dass Berlin seinen Namen den Bären zu verdanken hat. Nach seiner Meinung war die Furt am Mühlendamm, an der sich links des Spreeufers die Cöllner und rechts die Berliner ansiedelten, ein Wildwechsel, der weit und breit als einzige passierbare Stelle zwischen den Spreeufern von den Ureinwohnern als solche erkannt und genutzt wurde.

Der Berliner Bärenfreund Dr. Heinz Büchner hat ermittelt, dass der Name von 200 Städten in Deutschland auf den Bären zurückzuführen ist, der damit den ersten Platz einnimmt. Danach rangieren 105 Städte mit Bezug auf das Schwein bzw. den Eber, 95 mit Bezug auf den Wolf, und jeweils 50 mit Bezug auf den Fisch und den Hirsch.

Mögen die Wissenschaftler streiten. Das gute alte Rom hat keinen Schaden daran genommen, dass man seine Gründung der kapitolinischen Wölfin zuschreibt. Wir Berliner führen die Gründung unserer Stadt auf den Bären zurück.

Wie ? Na so !

Es ist schon sehr sehr lange her,
da zog ein dunkelbrauner Bär
durch den dichten grünen Wald.
Dann schaute er und machte halt.
Ein breiter Fluß war da zu sehen.
Da mußte er ans Ufer gehen
und schauen ob er dann und wann
hier einmal baden gehen kann.
Ein kleiner Spatz rief: "Bärchen, he!
Dieser Fluß hier ist die Spree.
Es ist noch ziemlich einsam hier
und noch viel Platz für Mensch und Tier."
Der Fluß war tief, das Wasser klar
das fand das Bärchen wunderbar
und dachte: "Von diesem schönen Ort
da geh´ich niemals wieder fort."
Eine Höhle fand er bald,
denn im Winter ist es kalt.
Er richtete sie häuslich ein
sie mußte warm und trocken sein.
Ein Fischer wanderte durchs Land
der auch den Platz am Ufer fand,
wo der Bär zu Hause war
und fand ihn gleichfalls wunderbar.
Es sah die großen dunklen Wälder,
grüne Wiesen, bunte Felder,
die Spree und manches frohe Tier.
Da wußte er: "Auch ich bleib hier."
Er baute sich ein kleines Haus
und zog dort niemals wieder aus.
Und überall erzählte er:
"Gefunden hat den Platz der Bär."
Es wurde ein große Stadt,
die nirgends ihres gleichen hat.
Ein Häusermeer im schönen Grün,
unverkennbar, mein Berlin.
Berlin, du hast viel durchgemacht
und bist doch immer neu erwacht.
Beschützt von Deinem Wappentier.
Du mein Berlin, ick liebe Dir!

Bernd Unger 1997

Online seit April 1999

Letztes Update: Februar 2011