Es gab auch zu diesem Anlaß ein Gedicht, veröffentlicht in der „BZ am Mittag“ , das , wenn man bedenkt, in welcher Zeit es geschrieben und veröffentlicht wurde, zum Nachdenken anregte.

Unweit des markgräflichen alten
Berliner Schlosses, das erhalten
Nur noch in Grundsteinüberresten,
Am Achsenstrang von Ost nach Westen,
Sind dieser Tage - ungelogen -
Vier junge Bären eingezogen.
Sie wurden feierlich empfangen,
Mehr konnte kaum ein Mensch verlangen,
Richtlinien für´s Berliner Leben
Hat ihnen reichlich man gegeben,
Sogar das Oberhaupt der Stadt
Sich ihrer angenommen hat.
Kein Wunder, daß sich der Chroniste
Entschloß, in die Besucherliste
Sich heute gleichfalls (sozusagen
als Interviewer) einzutragen,
Denn Bären aus Berlin und Bern
Steh´n ja den Dingen nicht so fern.
Lag darin, daß sie jung an Jahren
Und mutmaßlich noch unerfahren,
Auch die Gefahr der Urteilstrübung,
So war´s ja nur der Zweck der Uebung,
Zu unterrichten sich persönlich
Auf einem Weg, der ungewöhnlich.
Mit Bären hat in seinem Leben
Oft der Chronist sich abgegeben,
Auch hat er sich mit abgefunden,
Wenn man ihm einen aufgebunden;
Aus Kindertagen klingt die Mähr:
In Polen brummt ein wilder Bär...“
So drehte heut´schon früh am Tage
Um´s Wetter und die sonst´ge Lage
Und ihre künftige Gestaltung
Sich eine läng´re Unterhaltung,
Die auch für meinen Pegasus
Ganz streng vertraulich bleiben muß.
Denn dies verlangten viele Male
Die beiden Berner als Neutrale;
Der mit der Fühlung mit der Presse
Verriet zwar Kenntnis und Int´resse,
Doch hat er wiederholt betont:
„Kein Wort zuviel - wie wir´s gewohnt!“
So bleibt geheimnisvoll verborgen,
Was mit den Bären heute morgen
Im Herzen uns´rer Vaterstadt
Sich der Chronist besprochen hat;
Doch zweifellos schon heute scheint:
So wie es kommt, so war´s gemeint.
F r a k u n

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Letztes Update: Februar 2011