Die lebenden Wappentiere

Die Berliner illustrierte Nachtausgabe drückte am 17.8.1939 ebenfalls ihren Willkommensgruß für die neuen Berliner Bären in einem Gedicht aus.

Die lebenden Wappentiere
Los, „Pegasus, Du Hengst der Hengste“
Der je een Händikäp bestritt!
Wat? Ruhe willste? - Freund, det denkste!
Nee, ran, du mußt mal wieder mit!
Setz dir in Trab, nich lange mähren!
Wir beede wollen janz jewiß
Fünf Bärenverse hier je-bären,
Weil heute Bärenweihe is.
Deswegen trabe deine Runden;
Denn Bern, die schöne Schweizer Stadt,
hat uns zwei Bären uffjebunden;
Zwei echte - nich, da bist du platt!
Ick bin et ooch als oller Jäger;
Mensch, zwei lebendje Bettvorlejer,
Ick kiekte jleich een paarmal hin:
Die trudelten heut bei uns in!
Je-aßt in überreichen Maße,
Sind beede froh dahin entschwebt,
Wo - fern zwar von der Behrenstraße -
Een Bärenzwinger sich erhebt.
Janz neu is er, wie ick det schätze;
Mit Freuden tue ick det kund.
In ihn hat man die Wappen-Petze
heut mit zwei andre einjespunnt.
Und det se brav sich drin betragen,
Janz ohne Krach und rohe Kraft,
Det kann ick woll im voraus sagen,
Ick schätze: jlattweg „engel“haft!
Die beeden kaffeebraunen Bengel,
von denen jeder eifrig nickt,
Hat man nich jrunmdlos unsern Engel
Als Bärenführer mitjeschickt.
So wer´nse jierig wie die Schotten
unweit von unsrer jrünen Spree
Bald schnupperd nach Karotten trotten,
So wie in Bern einst j. w. d.
Und eenet wird die Zukunft lehren:
Det Wappenvierblatt unsrer Stadt
Von Bären wird hier nischt ent-behren,
Selbst wenn et Bärenhunger hat!
Joachim H. Wohl

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Letztes Update: Februar 2011