Die Bären in der Kriegszeit

Der Krieg rückte natürlich die Bären weitgehend aus der öffentlichen Berichterstattung. Dennoch blieben die Berliner ihren Bären treu und hofften auf baldigen Nachwuchs. Urs hatte ja seine drei Bärendamen für eine zünftige Bärenhochzeit.

Im April 1941 ist dann ein weiterer Bär hinzugekommen. Es war eine eigenwillige, aber damals zeitgemäße Geschichte. Ein Geschwader der Luftwaffe (Bären-Geschwader) erhielt im April 1940 als Geschenk der Reichshauptstadt einen schwarzbraunen Bären und führte ihn bei seinen Kampfeinsätzen mit. Als dieser zu groß geworden war, wurde er dem Bärenzwinger geschenkt. Er hieß mal Teddy, mal Purzel, wurde aber allgemein nur der Geschwader-Bär genannt.

Zur Bärengeschichte gehört, daß die Bärin Vreni 1941 einen Ausbruchversuch fast erfolgreich beendet hätte. Sie hatte die Stachelbewehrung geschickt als Leiter zu benutzen gelernt. Der Versuch konnte jedoch gerade noch verhindert werden. Urs und Vreni wurden dafür mit Stubenarrest bestraft.

Die Unterhaltung des Zwingers unter Kriegsbedingungen war für die Verantwortlichen des Stadtbezirkes Mitte sehr kompliziert. Alles Notwendige war bezugsscheinflichtig und mußte speziell beantragt werden. Das tägliche Futter wurde teilweise auf dem Alexanderplatz angebaut. Schließlich mußten auch noch ein Maschinengewehr und Munition bereitgestellt werden, für alle Fälle.

Wie durch ein Wunder überlebten die fünf Bären alle Bombenangriffe bis Ende April 1945. Dann wurden jedoch Jule, Urs, Vreni und der Geschwaderbär Opfer der Straßenkämpfe im Zentrum Berlins. Man fand sie im Jahr 1949 bei den Aufräumungsarbeiten zur Wiedereröffnung des Zwingers unter den Trümmern.

Ein Bär blieb am Leben, die Lotte, die noch bis Juni 1945 im Zwinger war. Sie wurde, fast verhungert, dem Berliner Zoologischen Garten übergeben, in dem nur noch 92 Tiere die Bombenangriffe überlebt hatten. Als er bereits am 1.Juli 1945 wieder für Besucher geöffnet wurde, gehörte Lotte zu den besonderen Attraktionen. Sie lebte dort bis zum 6.2.1971.

Der Zwinger wurde mit Sand gefüllt und diente als Buddelplatz für die Kinder der Umgebung.

Der Wunsch der Berliner, einen Stamm Berliner Bären zu halten, blieb damit zunächst unerfüllt. Mehrmals wurde die Hoffnung auf Bärennachwuchs in den Medien erwähnt, jedoch über kleine Bärchen nichts. Aber es sollte einen Neubeginn, ein neues Kapitel in der Berliner Bärengeschichte geben.

Online seit April 1999

Letztes Update: Februar 2011