Die Berliner und ihre Bären

Man ist immer wieder beeindruckt, wie viele Besucher ein Glas Honig, andere Bärendelikatessen oder eine Geldspende bei den Pflegerinnen abgeben.

Für ihre liebevolle Fürsorge für unsere Bären könnten hier viele Namen von Berlienern genannt werden, die seit vielen Jahren regelmäßig ihren persönlichen Beitrag für ein köstliches Bärenmal leisten. Ein Name darf nicht unerwähnt bleiben. Jürgen Bathe aus Reinickendorf sammelt seit 1990 jede Woche unverkaufte Teigwaren bei den Berliner Bäckereien und bringt sie mit seinem PKW zu den Bären, natürlich kostenlos. Das ist ein Beispiel für viele.

Jeden Tag kommen Kinder aus den Kitas und verfolgen mit Spannung und großen Augen die verspielten zotteligen Gesellen. Ältere Berliner verweilen gern in der schönen Anlage des Köllnischen Parks und betrachten ihre Bären. Die Bären ihrerseits mögen Gäste. Es ist ihnen anzusehen, dass sie gern Zuschauer haben und sie beobachten aufmerksam, was sich um sie herum ereignet. Natürlich war der Bärennachwuchs immer ein besonderer Anziehungspunkt. Da ging es oft turbulent zu, wenn sich die kleinen Petze jagten, sich dabei noch tollpatschig überschlugen, in den Wassergraben purzelten oder unter großer Mühe die Bäume erklommen. Immer begleiteten sie die spontanen Reaktionen der Zuschauer, die auch bei Regenwetter unter ihren Schirmen das lustige Treiben verfolgten.

Ein kleines Plüschbärchen, dem natürlichen Vorbild im Zwinger nachgestaltet, mit dem originellen Namen Alex, hat sich als neuer Liebling die Herzen der Berliner und ihrer Gäste erobert und verkündet nunmehr weltweit "Ick bin Alex der waschechte Berliner". Im November 1990 hat sich der Verein "Berliner Bärenfreunde" gegründet, mit dem Ziel, die Berliner Bärentradition zu pflegen, die Unterhaltung des Bärenzwingers zu unterstützen und ihn zu einem noch größeren Anziehungspunkt unserer Stadt zu machen.

Man sieht unseren Bären an, dass sie sich in der Anlage wohl fühlen und mit sehr viel Liebe und Hingabe gepflegt werden. Das wird auch amtlich bestätigt.

Wenn die Pflegerinnen über ihre Erlebnisse aus der täglichen Arbeit erzählen, bildet sich sofort ein großer Zuhörerkreis und jeder spürt, wie sehr sie mit ihren Bären verbunden sind. Sie beschreiben sehr präzise die unterschiedlichen Charaktere und die Eigenarten ihrer Schützlinge. Zum Beispiel wurde Tilo von Frau Kutzner sehr jung übernommen und hatte somit von klein an mehr Kontakt zu ihr, als Maxi und Schnute. Er lässt sich auch gern durchs Gitter kraulen und streicheln. Sie alle besitzen eine gesunde Wildheit ihrer Art und sollten nie wie dressierte Zirkusbären betrachtet werden. Bären sind ohnehin in der freien Natur Einzelgänger und bei weitem nicht so zutraulich wie Tiere, die in Rudeln leben. Das ist auch der Grund, weshalb die Bärenmütter mit ihrem Nachwuchs getrennt gehalten werden müssen. Immer wieder haben Pfleger der Zwinger-Bewohner betont, dass Bären viel weniger berechenbar sind, als beispielsweise Löwen oder Tiger.

Ihre Stimmung erkennt man nur schwer an ihrer Mimik und ihrem Verhalten und deshalb ist Vorsicht geboten. Bären sind von Natur aus Allesfresser, ernähren sich jedoch überwiegend vegetarisch und freuen sich besonders über alles was süß schmeckt. Dazu gehören neben dem Honig auch alle süßen Früchte und Gemüse. Junge Bären sind aktiver als ältere, aber ihren Bärenschlaf, manchmal auch am Tage, wenn sie viele Besucher lieber im Freien sehen würden, halten sie gern.

Leider werden für längere Zeit keine kleinen Bärchen in unserem Zwinger sehen. Unsere Stadtväter haben dem Wunsch der Berliner nicht entsprochen, endlich einen Stamm Berliner Wappentiere zu gründen. Bei der nunmehr über 700jährigen Tradition unseres Wappentieres schmerzt das jeden Berliner.

Der Verein der Berliner Bärenfreunde sorgt dafür, dass jahrzehntelange Traditionen nicht versanden. So werden die Geburtstage unserer Stadtbären würdig begangen. Viele Berliner bringen ihnen Bärendelikatessen und schauen zu, wie sie genüsslich verspeist werden.

Am 22. März wird seit 1996 der Tag der Berliner Bären begangen. Er soll an die lange Tradition unseres Wappentieres erinnern und natürlich bekommen unsere Stadtbären auch eine Sonderration zu diesem Jubiläum.

Am 17. August wird die Eröffnung der Anlage im Köllnischen Park gewürdigt. Dabei wird die Geschichte unserer Stadtbären dargestellt.

Und natürlich wird auch der Geburtstag unserer Stadt Berlin auf Bärenart gefeiert. Am 22. Oktober hat Berlin Geburtstag und die Geburtstagstorte erhalten unsere Wappentiere, die sie so freundlich symbolisieren.

Online seit April 1999

Letztes Update: Februar 2011