Lotte, Jule, Urs und Vreni

Am 17. August 1939 um 15 Uhr war es dann soweit. In Anwesenheit tausender Berliner wurde der Bärenzwinger offiziell übergeben. Die vier Bären zogen als erste Bewohner ein und Berlin hatte seine Traditionsstätte für sein Wappentier an einem ehrwürdigen Platz. Er befindet sich unmittelbar neben dem Märkischen Museum, das nach neunjähriger Bauzeit am 10. Juni 1908 erföffnet wurde und eine hervorragende Sammlung zur Geschichte, Kunst und Kultur Berlins besitzt.

Der Oberbürgermeister und Stadtpräsident Dr. Lippert hielt die Eröffnungsrede. Als Vertreter der Stadt Bern überbrachte Gemeinderat Steiger die Grüße seiner Stadt und gab einen Überblick über die Geschichte es Berner Bären. Der Betriebsführer des Deutschen Verlages, Max Wiesner, übergab den BZ-Bären. Die Schenkungsurkunde enthielt folgenden Text:

"Seit langen Jahrhunderten ist der BAER Wahrzeichen und Wappentier Berlins. Deshalb gab die "BZ am Mittag", die sich mit Berlin und den Berlinern eng verbunden fühlt, die Anregung, Stadt-Bären als sichtbares Zeichen treuer Heimatliebe in einem hübschen Bärenhaus anzusiedeln. Das Heim ist fertig! So übergeben wir heute den BZ-Bären unserer schönen Reichshauptstadt Berlin mit den besten Wünschen für eine gesunde und recht zahlreiche Nachkommenschaft. Berlin, den 17. August 1939"

Urkunde der "BZ am Mittag"

Auf ein Zeichen des Direktors des Zoologischen Gartens, Amon, öffnete Dr. Lippert den Zwinger für den ersten Auftritt der vier Bärchen. Zuerst, wie sollte es anders sein, zogen die Berner Bären ein, dann die Berliner Zoo-Bären. Werten wir das als Geste der Höflichkeit.

Eröffnungsakt aus "BZ am Mittag" vom 18.8.1939

Der Zwinger wurde dem Stadtbezirksamt Mitte zugeordnet. Hier hatte von Anfang an der Gartenoberinspektor des Gartenamtes Berlin-Mitte, Hans Martin, die Federführung und Verantwortung für den Bärenzwinger in der Hand, die er unter schwierigen Bedingungen mit großer Hingabe wahrnahm. Er war auch als Heimatforscher und Mitglied des Vereins für die Geschichte Berlins bekannt.

Hans Martin wurde im März 1945, nur wenige Tage vor seinen Bären, Opfer eines Luftangriffes.

Erster Bärenpfleger war Walter Ußlepp aus Quedlinburg, ein gelernter Fleischer. Doch bald gesellte sich der bis weit in die Nachkriegszeit dort tätige August Porath hinzu.

Die "BZ am Mittag" hatte noch am 14.8.1939 in einem Preisauschreiben zu Vorschlägen für zünftige Berliner Namen für die Bärchen aufgerufen und Berge von Briefen dazu erhalten. Doch dann brach am 1. September 1939 der Krieg aus. Man hatte andere Probleme und es kam nicht mehr zu einer Auswertung und zu einer öffentlichen Taufe. So behielten die Berner Bären ihre Namen und die Berliner Bären wurden durch eine administrative Festlegung von Hans Martin Jule und Lotte genannt, wobei Jule als "BZ-Bär" bestimmt wurde.

Online seit April 1999

Letztes Update: Februar 2011