Vorwort

Seit über 700 Jahren wird in Berlin Bärengeschichte geschrieben, gehört der Bär auf Siegeln, Dokumenten, Wappen und Fahnen zum Hoheitszeichen und Symbol unserer Stadt. Er wurde aus Marmor, Stein und Bronze künstlerisch gestaltet, in Poesie und Prosa beschrieben, auf Bildern gemalt und in Liedern besungen. Nichts ist so eng mit den Berlinern verbunden wie der Berliner Bär. Aber erst seit dem 17. August 1939 haben wir Berliner auch lebendige Wappentiere in einer eigens dafür errichteten Traditionsstätte. Natürlich gab es schon vorher Bären im Zoologischen Garten und es gibt sie auch immer noch dort und im Berliner Tierpark. Aber da sind sie zoologische Wesen, eine Art unter vielen. Als Wappentiere haben sie ihr Domizil im Bärenzwinger im Köllnischen Park, im Bezirk Mitte von Berlin. 1937, als es um den Bau der Heimstätte für die Berliner Bären ging, war von vornherein beabsichtigt, daß sie im Zentrum der Stadt leben sollten, dort wo viele Berliner und ihre Gäste Gelegenheit haben, sie zu besuchen. Sie konnten nicht besser untergebracht werden, als unmittelbar neben dem Märkischen Museum, dicht an der Spree, wo im Fischerkietz und an der Nikolaikirche die Urstädte Cölln und Berlin entstanden sind. Die interessante Geschichte unserer lebendigen Stadtbären ist, gemessen an der Stadtgeschichte, noch jung. Nehmen wir den Berliner Bären wörtlich als masculines Wesen, so gibt es erst vier Bärenrepräsentanten unserer Stadt, wenn man von den Jungbären, die nur kurzzeitig im Zwinger waren, absieht.

Es waren Urs, Nante, Taps und ist Tilo.

Unser Tilo ist also der amtierende Berliner Stadtbär.

Leider gab zum Bärenzwinger, eine der bedeutenden Sehenswürdigkeiten unserer Haupstadt, nur wenig aufbereitete Sachinformationen, bis ich mich mit diesem Kapitel beschäftigt habe. In der wissenschaftlichen Berlin-Literatur, in Reiseführern und Nachschlagewerken fand man oft noch falsche Angaben. Die Ursache dafür war, daß der Zwinger nur wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges eingeweiht wurde und vor allem über den Zeitraum bis 1945 viele Zeitdokumente verloren gegangen sind. Dieser weiße Fleck in der Berliner Geschichte bewog mich, weder Literat noch Historiker oder gar Zoologe, sondern einfach nur Berliner und Bärenfreund, Bärenforschung zu betreiben, um die Lücke zu schließen. Möge diese Schrift dazu beitragen, daß die Dinge richtig gestellt werden und die Berliner Bären in der herrlichen Anlage im Köllnischen Park immer mehr Freunde und Besucher finden.

Viele Hinweise der Berliner und vor allem der beiden "Bärenmütter" Frau Kutzner und Frau Gnad, für die sich der Autor herzlich bedankt, wurden in der Chronik berücksichtigt.

Online seit April 1999

Letztes Update: Februar 2011